Wie wollen wir alt werden?

“Wer kümmert sich um mich, wenn ich mich um dich kümmere.”

Der demographische Wandel verändert die Gesellschaft. Auf der einen Seite stehen die Chancen eines längeren Lebens. Auf der anderen Seite benötigen immer mehr Menschen Unterstützung und Begleitung im Alltag. Pflegebedürftigkeit ist ein allgemeines Lebensrisiko, von dem die Mehrheit der Bevölkerung im Lauf des Lebens betroffen sein wird. Aktuell sind es immer noch ¾ aller Menschen, die von Angehörigen betreut werden. Wenn Familienstrukturen sich aber verändern, viele Menschen als Singles leben, Großeltern an anderen Orten wohnen, werden nachbarschaftliche Systeme, Menschen die im Quartier bewusst füreinander Verantwortung übernehmen, an Bedeutung gewinnen. Der Pflegereport 2030 der Bertelsmann Stiftung weist aus, das die Versorgungslücken sich durch professionelle Pflege allein nicht schließen lässt. Der Pflegereport stellt fest: „Nur ein konsequenter Vorrang der ambulanten Pflege – etwa unter Integration zivilgesellschaftlichen

Engagements – kann die Lücken entschärfen.“

(https://www.bertelsmann-stiftung.de/es/unsere-projekte/pflege-vor-ort/projektthemen/pflegereport-2030/, eingesehen 23.7.2018)

Im Kreis Minden Lübbecke ist die Pflegebedürftigkeit an der älteren Bevölkerung in der Zeit von 2013 bis 2016 von 13,8% auf 14,9% gestiegen. Dies entspricht einer Steigerung der Pflegebedürftigen an der Gesamtbevölkerung von 3,5% auf 3.9%. Von Bedeutung ist hier auch das 2013 etwa 31 % der Pflegebedürftigen dauerhaft stationär versorgt wurden; im Jahr 2016 aber nur noch etwa 26%. Dies weist deutlich auf einen Bedarf alternativer Betreuungs- und Pflegestrukturen hin. Dies unterstützt auch den politischen Willen, ambulante Dienstleistungen gegenüber stationärer zu bevorzugen.

Zur Verbesserung der ambulanten Betreuung und Versorgung pflegebedürftiger älterer Menschen, ist eine engere Verzahnung professioneller und privater Leistungen notwendig. Der Mangel an professionellen Fachkräften schreitet weiter fort und verlangt effiziente Lösungen. Eine ambulante Pflegewohngemeinschaft kann die professionellen und privaten ambulanten Dienstleistungen bündeln und optimieren. In Zeiten in denen die private und familiäre Versorgung nicht geleistet werden kann (z.B. aufgrund beruflicher Tätigkeit) kommt die ambulante Pflege zum Einsatz; die abendliche Versorgung kann in diesem Fall wieder von Angehörigen übernommen werden. Die kontinuierliche Möglichkeit Unterstützung bei Aktivitäten des täglichen Lebens zu erhalten, wird durch die Präsenz der hauswirtschaftlichen Kräfte in der Wohngemeinschaft ermöglicht.

Eine wichtige Rolle spielt  das Dorf-Café. Als Begegnungsstätte dient es als wohnortnaher Treffpunkt. Es nimmt somit eine Schlüsselrolle bei der sozialen Teilhabe Älterer ein. Ein gemeinsamer Mittagstisch oder Kaffeetrinken für die Menschen des Dorfes und des Quartiers wird ein wichtiges Element der Begegnung und Information gerade für Hochbetagte sein. Das Alte, Traditionelle wird dort, wo es sinnvoll und zielführend ist, weitergepflegt. Daneben werden neue Profile und Angebote je nach aktuellem Bedarf (weiter)entwickelt. Niedrigschwelligkeit, Vertrauen über persönliche Kontakte sind wichtige Elemente für diese Arbeit. Diese Begegnungsstätte soll elementare Bedürfnisse befriedigen (Nahrung, Kontakte, Begegnung), und viele potentielle Nutzer erreichen. Angestrebt wird die Bildung runder Tische und die Bündelung von Aktivitäten und Interessen unterschiedlicher Vereine und Verbände des Dorfes Nettelstedt.